Geschlechtergerechte Sprache spielt eine entscheidende Rolle bei der Förderung der Gleichstellung von Frauen, Männern und nicht-binären Personen. Bereits 2014 formulierte die Gleichstellungskommission der Philipps-Universität Marburg erstmals ihre „Empfehlungen für die Verwendung gendergerechter Sprache“. Dies unterstreicht die Bedeutung der Sprache für die Gleichstellung. Seit Ende 2018 können Personen im Personenstandsregister in Deutschland beispielsweise die Option „divers“ wählen, was den rechtlichen Rahmen für Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache reflektiert.
Studien zeigen deutlich, dass Texte, die ausschließlich in der männlichen Form verfasst sind, von Lesenden vermehrt auf Männer bezogen werden. Dies führt dazu, dass Frauen und nicht-binäre Personen sich weniger angesprochen fühlen. Ein Beispiel für den Einsatz geschlechtergerechter Sprache ist der Genderstern (Asterisk), der die Balance zwischen Geschlechtergerechtigkeit und Barrierefreiheit am besten trifft. Zudem hindernd agentische Formulierungen in Stellenanzeigen Frauen nachweislich daran, sich zu bewerben, während Männer sich auch bei geringerer Übereinstimmung mit dem Anforderungsprofil bewerben.
In diesem Kontext wird deutlich, dass die Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache nicht nur ein Thema der politischen Korrektheit ist, sondern einen tiefgreifenden Einfluss auf Wahrnehmung, Bewerbungsverhalten und letztlich auf die gesellschaftliche Teilhabe aller Geschlechter hat. Der HGlG § 1, Abs. 2 fordert daher zurecht, dass Rechts- und Verwaltungsvorschriften die Gleichstellung von Frauen und Männern auch sprachlich zum Ausdruck bringen.

Einleitung: Bedeutung gendergerechter Sprache
Die Geschlechtergerechtigkeit steht im Mittelpunkt vieler gesellschaftlicher Debatten und hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema entwickelt. Dies spiegelt sich besonders in der Bedeutung gendergerechter Sprache wider. Die Verwendung solcher Sprache ist nicht nur ein Zeichen des Respekts gegenüber allen Geschlechtern, sondern auch ein wichtiger Schritt zur Gleichstellung.
Gendergerechte Formulierungen, wie zum Beispiel die Nutzung von geschlechtsneutralen Begriffen wie „Studierende“ anstelle von „Studenten“, haben zunehmend an Akzeptanz gewonnen. Tatsächlich bevorzugen laut einer Umfrage unter Germanistik-Studierenden viele diese neutralen Formulierungen, da sie alle Geschlechter repräsentieren. Die Erhebung zeigt, dass geschlechtsneutrale Sprache als inklusive und förderlich für die Geschlechtergerechtigkeit wahrgenommen wird.
Dennoch gibt es beim Einsatz gendergerechter Sprache durchaus Herausforderungen. So kann die Verwendung von Doppelnennungen wie „Einwohner und Einwohnerinnen“ den Lesefluss erheblich einschränken, sodass alternative Ansätze wie der Genderstern oder der Unterstrich immer häufiger genutzt werden. Obwohl diese Schreibweisen noch nicht offiziell im Duden aufgenommen sind, werden sie besonders in akademischen Kontexten immer häufiger verwendet.
Zusätzlich führt die Einführung eines Gender-Disclaimers in wissenschaftlichen Arbeiten oft zu Diskussionen. Manche Dozierende betrachten diesen als nicht umfassend genug, was in einigen Fällen zu Abzügen in der Bewertung führen kann. Daher ist es wichtig, einen bewussten und überlegten Umgang mit gendergerechter Sprache zu fördern und gleichzeitig die Balance zwischen Lesbarkeit und Inklusivität zu wahren.
Insgesamt trägt gendergerechte Sprache dazu bei, stereotype Geschlechterrollen zu hinterfragen und einen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit zu leisten. Durch den bewussten Einsatz solcher Sprache wird nicht nur die Sichtbarkeit aller Geschlechter erhöht, sondern auch ein gesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Gleichberechtigung unterstützt.
Geschichte und Entwicklung geschlechtergerechter Sprache
Die historische Entwicklung der gendersensiblen Sprache hat eine bemerkenswerte Reise durch die Zeit erlebt. Bereits 1980 erschienen die ersten Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs im deutschsprachigen Raum. Die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, die 1979 beschlossen wurde, legte einen wichtigen Grundstein für die Notwendigkeit einer geschlechtergerechten Sprache.
In der deutschen Sprache existieren viele Wörter sowohl in männlicher als auch in weiblicher Form, zum Beispiel Bürger (männlich) und Bürgerin (weiblich). Jedoch wird häufig nur die männliche Form verwendet, insbesondere in der Mehrzahl. Dies führt dazu, dass Frauen sprachlich unsichtbar gemacht werden, wie das Beispiel „99 Lehrerinnen plus 1 Lehrer werden als 100 Lehrer bezeichnet“ zeigt.
Der Duden, ein maßgebliches Nachschlagewerk für die deutsche Sprache, hat darauf reagiert und enthält inzwischen auch die weibliche Form. 2016 entschied sich die Duden-Grammatik dazu, den Begriff „generisches Maskulinum“ nicht mehr zu verwenden und stattdessen zwischen „sexusspezifisch“ und „sexusindifferent“ zu unterscheiden.
Die historische Entwicklung der gendersensiblen Sprache erkennt auch die Einführung geschlechtsneutraler Begriffe wie Studierende und Auszubildende an, wenn keine geschlechtsspezifischen Formen existieren. Diese Entwicklung spiegelt sich in der gesellschaftlichen Haltung gegenüber Geschlecht wider und zeigt, dass die Art der Sprache auch das Denken über Geschlecht beeinflusst.
Ein bedeutender Meilenstein war der Wandel in Nachrichtenagenturen. 2020 haben acht der größten deutschsprachigen Nachrichtenagenturen vereinbart, diskriminierungssensibler zu schreiben und das generische Maskulinum schrittweise zurückzudrängen. Diese Entscheidung berücksichtigt auch trans und inter Menschen durch Abkürzungen wie BürgerInnen, Bürger*innen oder Bürger:innen.
Die Anerkennung von „divers“ als Geschlechtskategorie im Jahr 2018 in Deutschland und 2019 in Österreich sowie die Erklärung der schweizerischen Bundeskanzlei im Jahr 2021, dass das generische Maskulin nicht zulässig sei, markieren wichtige Punkte in der historischen Entwicklung der gendersensiblen Sprache.
Argumente für gendersensible Sprache
Die Vorteile von geschlechtergerechter Sprache sind vielfältig und tiefgreifend. Eine geschlechtergerechte Sprache trägt maßgeblich zur Gleichberechtigung bei, da sie sicherstellt, dass sich alle Geschlechter angesprochen fühlen. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, weil das generische Maskulinum oft nicht alle Geschlechtsidentitäten einschließt, wie die Universität Kassel betont.
Statistiken zeigen, dass Unternehmen, Medien, Hochschulen, Kommunen und Behörden zunehmend eigene Leitfäden zur geschlechtergerechten Sprache herausgeben. Dieser Trend spiegelt das wachsende Bewusstsein für die Vorteile von geschlechtergerechter Sprache wider. So hat beispielsweise die Stadtverwaltung Hannover die sprachliche Gleichbehandlung als Pflicht für den amtlichen Sprachgebrauch festgelegt. Ähnlich verhält es sich mit Hochschulen: Die Mehrheit hat Leitfäden zur Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache entwickelt, die oft von den amtlichen Regelungen abweichen.
Auch politische Parteien erkennen die Bedeutung von gendersensibler Sprache. Bei den Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2021 setzten die Parteien SPD, Grüne und Die LINKE Gendersternchen ein, um geschlechtliche Vielfalt abzubilden. Die AfD hingegen äußerte sich kritisch und forderte teilweise ein Verbot dieser Praxis, was zeigt, dass das Thema stark polarisiert.
Ein bemerkenswertes Beispiel für die Umsetzung einer geschlechtergerechten Sprache in der Praxis ist das Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt a.M. aus Juni 2022, das die Deutsche Bahn verpflichtete, die Anreden „Herr“ und „Frau“ um Optionen für nicht-binäre Personen zu erweitern. Ein weiteres Beispiel ist das Landeshochschulgesetz Baden-Württemberg, das vorschreibt, dass alle Status-, Funktions- und Berufsbezeichnungen sowie Hochschulgrade und akademische Titel in der jeweils geschlechtsspezifischen Form geführt werden müssen.
In Stellenausschreibungen hat sich gezeigt, dass geschlechtergerechte Formulierungen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich Personen auf für ihr Geschlecht „untypische“ Berufe bewerben. Die Technische Universität Berlin hat festgestellt, dass Frauen und andere Geschlechtsidentitäten durch das generische Maskulinum oft nicht berücksichtigt werden, was negative Auswirkungen auf Bewerbungen und berufliche Chancen haben kann. Daher bieten sich Unternehmen und Institutionen durch geschlechtergerechte Sprache klare Vorteile in Bezug auf eine diverse und gleichberechtigte Arbeitsumgebung.
Politische Diskussionen zur Gendersprache
Die politische Debatte über geschlechtergerechte Sprache hat in den letzten Jahren an Intensität gewonnen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Familienministeriums unterstützen 95 Prozent der Befragten die Gleichstellungspolitik. Dennoch zeigt sich, dass mindestens zwei Drittel der Deutschen das Gendern ablehnen, obwohl sie die Gleichstellung grundsätzlich befürworten.
Diese Diskrepanz zwischen der Unterstützung für Gleichheit und der Ablehnung des Genderns führt zu hitzigen Diskussionen. Es wird argumentiert, dass Gendern durch wohlhabende, gebildete, jüngere Menschen sowie Städter und Frauen eher befürwortet wird, da diese Gruppen tendenziell politisch progressiver sind.
Die Grünen haben geschlechtergerechte Schreibweisen bereits in ihren Anträgen und Wahlprogrammen implementiert. Der Bundesvorstand plant nun, den Gender-Stern zukünftig konsequenter einzusetzen, um eine einheitliche Umsetzung zu gewährleisten. Das Ziel ist es, transsexuelle, transgender und intersexuelle Personen sichtbar zu machen und Diskriminierung zu vermeiden.
Eine Umfrage zeigt jedoch, dass der generische Maskulinum in der deutschen Sprache nach wie vor als funktional und verständlich angesehen wird. Dies stellt die Notwendigkeit des Genderns für viele Menschen in Frage. In Experimenten wurde zudem festgestellt, dass die Anrede mit beiden Geschlechtern stärkere Effekte auf Assoziationen hat als das Gendersternchen, auch wenn beide Effekte relativ gering ausfallen.
Die Bundesregierung hat zwar Leitlinien zur geschlechtergerechten Formulierung herausgegeben, jedoch gibt es Unterschiede in der Umsetzung. Städte wie Hannover setzen die eigenen Vorgaben auf ihren Webseiten nicht konsequent um. Das führt zu weiterer Verunsicherung und Kritik. Die politische Debatte über geschlechtergerechte Sprache bleibt damit ein umstrittenes und emotional aufgeladenes Thema in Deutschland.
Gesetzliche Regelungen und Richtlinien
Die gesetzlichen Aspekte der Gendersprache haben in Deutschland in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Schon 1980 wurde ins deutsche Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) der Paragraf 611b aufgenommen, der eine neutrale Ausschreibung für Stellenangebote vorschreibt. Diese Regelung zielte darauf ab, geschlechtliche Diskriminierung am Arbeitsplatz zu verhindern.
Im Jahr 2006 trat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft, das Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts verhindern soll. Das Handbuch der Rechtsförmlichkeit von 2008 stellte fest, dass die Häufung maskuliner Personenbezeichnungen den Eindruck erwecke, Frauen würden übersehen oder nur „mitgemeint“.
2011 zeigte eine Studie eine große Akzeptanz für geschlechtsneutrale Bezeichnungen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung (RdR), gegründet 2004, äußerte 2018 in einer Stellungnahme, dass die geschlechtergerechte Schreibung am ehesten durch die Benennung von Frauen und Männern in weiblicher und männlicher Form gerecht wird.
2013 wurde die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) umfangreich gegendert. Im Jahr 2020 legte die damalige Bundesjustizministerin Christine Lambrecht einen Gesetzentwurf vor, der ausschließlich weibliche Formen nutzt, was zu Protesten führte. Gleichzeitig entschied das Bundesverfassungsgericht (BVerfG), dass der Artikel 3 Abs. 2 des Grundgesetzes den Staat verpflichtet, bestehende gesellschaftliche Nachteile zwischen Männern und Frauen zu beseitigen.
Die gesetzlichen Aspekte der Gendersprache zeigen, dass geschlechtergerechte Sprache nicht nur eine sprachliche, sondern auch eine rechtliche Relevanz hat. Dies wird durch verschiedene Gesetze und Richtlinien unterstrichen, die darauf abzielen, Diskriminierungen zu verhindern und die sprachliche Gleichbehandlung zu fördern.
Gender und Sprache: Warum geschlechtergerechte Sprache wichtig ist
Der Einfluss von Sprache auf Geschlechtergleichheit ist ein bedeutendes Thema in der modernen Gesellschaft. Der Begriff „Gender“ bezieht sich dabei auf soziale Geschlechterrollen, die sich in der Sprache widerspiegeln. In der deutschen Sprache wird häufig die männliche Form (generisches Maskulinum) verwendet, während weibliche Formen oft vernachlässigt werden. Dies zeigt sich besonders in Berufsbezeichnungen wie Ärzten oder Polizisten, die sowohl Männer als auch Frauen umfassen, jedoch meist in der männlichen Form genannt werden.
Ein Großteil der Bevölkerung fühlt sich von einer geschlechtergerechten Sprache nicht genug angesprochen. Wenn beispielsweise in einer Klasse mit gleicher Anzahl von Mädchen und Jungen nur von „Schülern“ gesprochen wird, kann dies Mädchen ausschließen und nicht korrekt repräsentieren. Daher soll geschlechtergerechte Sprache alle Geschlechter ansprechen und niemanden ausgrenzen.
Es gibt verschiedene Methoden, um geschlechtergerechte Sprache umzusetzen. Beispiele hierfür sind der Unterstrich (z.B. Schüler_innen), der Doppelpunkt (z.B. Schüler:innen), das Gender-Sternchen (z.B. Schüler*innen), der Schrägstrich (z.B. Schüler/innen) und das Binnen-I (z.B. SchülerInnen). Auch neutrale Formulierungen wie Person oder Lehrkraft werden verwendet, um Geschlechterneutralität zu wahren.
Das Unternehmen Plan International entschied sich für die Verwendung des Doppelpunkts, da dieser barrierefrei ist und für Menschen mit Sehbehinderung gut verständlich bleibt. Sprachausgabeprogramme pausieren an der Stelle des Doppelpunkts, während das Gender-Sternchen mitgelesen wird.
Der Gender-Doppelpunkt wird zwischen dem Wortstamm und der weiblichen Endung eingesetzt und repräsentiert so die Vielfalt der Identitäten. Statistiken zeigen, dass etwa ein Drittel der Weltbevölkerung eine Muttersprache hat, die zwischen männlich und weiblich unterscheidet (Genus-System). Interessanterweise ist in Ländern mit einem Genus-System die Frauenerwerbstätigkeit niedriger als in Ländern mit geschlechtsneutraler Sprache.
In Deutschland zeigen Studien, dass nur 25 % der Professuren von Frauen besetzt sind. Trotz Existenz von rund 200 Lehrstühlen für Gender Studies gibt es keine für Genderlinguistik. Das Buch „Das Deutsche als Männersprache“ von Luise F. Pusch, das die Thematik vertieft, verkaufte sich über 150.000 Mal. Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2020 ergab, dass zwar eine Mehrheit gegen neuere Formen geschlechtsneutraler Sprache ist, jedoch eine knappe Mehrheit der 18- bis 39-Jährigen diese Formen unterstützt.
Seit 2018 ist die Dritte Option neben männlich und weiblich in Deutschland rechtlich anerkannt, was die Eintragung „divers“ ermöglicht. Der Einfluss von Sprache auf Geschlechtergleichheit zeigt sich auch hier, da dies Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung ermöglicht, ihre Geschlechtsangabe und Vornamensführung amtlich zu ändern.
Einfluss gendergerechter Sprache auf das Denken
Psychologische Effekte gendersensibler Sprache sind vielfältig und haben nachweislich einen tiefgreifenden Einfluss auf das menschliche Denken. In einer Studie gaben 44% der Probanden an, dass sie die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Spezialist eine Frau sei, wenn der Text in geschlechtergerechter Sprache verfasst war. Wenn der gleiche Text jedoch im generischen Maskulinum verfasst war, sank diese Zahl auf nur 33%. Diese Darstellung zeigt, wie wichtig die Art und Weise der Sprachverwendung sein kann.
Darüber hinaus konnten Bewerberinnen in Stellenanzeigen, die den Begriff „Geschäftsführer oder Geschäftsführerin“ verwenden, als ebenso kompetent wahrgenommen werden. Sie wurden sogar als passender für den Job angesehen im Vergleich zu Anzeigen, die lediglich „Geschäftsführer“ oder „Geschäftsführer (m/w)“ verwendeten.
Auch im Bereich der Berufswahl von Grundschulkindern zeigten sich beeindruckende Ergebnisse. In einer Untersuchung mit 600 Kindern ergriffen Mädchen eher stereotype männliche Berufe, wenn diese in gendergerechter Sprache präsentiert wurden. Ein ähnlicher Effekt zeigte sich bei der Bewertung von Berufen: Kinder schätzten Berufe, die in männlicher und weiblicher Form präsentiert wurden, als weniger wichtig ein und gingen von schlechteren Bezahlungen aus.
Interessant ist auch der internationale Vergleich. Studien belegen, dass in Ländern mit neutralen Sprachsystemen Frauen häufiger erwerbstätig sind, mehr unternehmerisch tätig sind und sich politisch stärker beteiligen. Ein Beispiel hierfür ist Schweden: Die Einführung des geschlechtsneutralen Pronomens „hen“ führte zu positiven Einstellungen gegenüber Frauen in der Politik und der LGBT-Community.
Dagegen kann der Widerstand gegen neue Sprachregeln zu Reaktanz führen, wie dies in einigen europäischen Ländern bereits beobachtet wurde.
Zusammengefasst zeigen diese Forschungsergebnisse, dass gendersensible Sprache nicht nur das individuelle Denken, sondern auch gesellschaftliche Strukturen und Normen positiv beeinflussen kann. Psychologische Effekte gendersensibler Sprache sind zweifellos ein mächtiges Werkzeug zur Förderung von Gleichberechtigung und Inklusion.
Gendersensible Sprache im Alltag
Die Anwendung von gendersensibler Sprache täglich ist entscheidend, um eine inklusive Gesellschaft zu fördern. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung machen Frauen 50,7 % der Bevölkerung in Deutschland aus, was die Notwendigkeit eines bewussteren Sprachgebrauchs unterstreicht. Nach der Änderung des Personenstandsgesetzes im Dezember 2018 haben Menschen zudem die Möglichkeit, sich als divers eintragen zu lassen, wenn sie sich nicht als männlich oder weiblich identifizieren möchten.
Die Corona-Krise hat gezeigt, dass Frauen mehr Sorgearbeit übernommen haben als Männer, was zu einer Reduzierung der Arbeitszeit bei Frauen führte. Dies verdeutlicht eine tief verwurzelte Geschlechterungleichheit. Deshalb spielt die Anwendung von gendersensibler Sprache täglich eine zentrale Rolle, um auf diese Unterschiede aufmerksam zu machen und langfristig zu beseitigen.
Der Gender-Asterisk oder Gender-Sternchen wird häufig empfohlen, um das Textbild zu verändern und die Vielfalt in der Gesellschaft widerzuspiegeln. Geschlechtsneutrale Sprache wird als Mittel angesehen, eine diskriminierungsfreie Kommunikation zu fördern. Eine Studie der Freien Universität Berlin, die 600 Kinder aus Deutschland und Belgien untersuchte, zeigt, dass Kinder, wenn sie mit geschlechtsneutralen Bezeichnungen konfrontiert werden, eine höhere Bereitschaft zeigen, sich in geschlechtsstereotypische Berufe zu begeben.
Die Anwendung von gendersensibler Sprache täglich ist nicht nur ein Instrument zur Förderung von Chancengleichheit und Gleichstellung, sondern auch ein bewusster Akt, um ein Bewusstsein für bestehende Ungleichheiten zu schaffen. Die Verwendung geschlechtergerechter Sprache kann dazu beitragen, die Vielfalt von Geschlechtern in der Alltagssprache widerzuspiegeln und somit zur Reduzierung von Diskriminierung beizutragen.
Wissenschaftliche Studien und Forschungsergebnisse
Um die Wirkung und die Akzeptanz geschlechtergerechter Sprache zu bewerten, wurden zahlreiche wissenschaftliche Studien durchgeführt. Im Jahr 2009 zeigte eine Analyse von sieben Studien aus der Zeit von 1994 bis 2007, dass die subjektive Beurteilung der Verständlichkeit geschlechtergerechter Sprachformen als hoch eingestuft wurde. Dies deutet darauf hin, dass der Wechsel zu geschlechtergerechten Formulierungen die Leserfreundlichkeit nur minimal beeinflusst.
Das Jahr 2020 brachte weitere Erkenntnisse, als das Handbuch geschlechtergerechte Sprache betonte, dass die Lesefreundlichkeit und Textverständlichkeit durch geschlechtergerechte Formulierungen nicht beeinträchtigt werden. Diese Ergebnisse wurden auch 2021 von öffentlich-rechtlichen Wissenschaftsmagazinen bestätigt.
Obwohl frühere Studien, wie eine im Jahr 2007 durchgeführte Untersuchung, geschlechtergerechte Alternativen zum generischen Maskulinum manchmal als beeinträchtigend für die Textqualität bewerteten, hat sich die Einstellung in jüngster Zeit deutlich verändert. Studien zwischen 1993 und 2010 zeigten, dass Schreibweisen mit Beidnennung häufiger mit weiblichen Personen assoziiert werden als generische Maskulinformen.
Eine psycholinguistische Studie aus dem Jahr 2000 ergab, dass Kurzformen mit Schrägstrich wie „Student/innen“ zu einer Gleichverteilung weiblicher und männlicher Personen beitrugen. Im Jahr 2002 bewerteten 220 Personen verschiedene Texte; es gab keine signifikanten Unterschiede in der subjektiven Verständlichkeit zwischen generischen Maskulinformen und Alternativformen.
Ein wesentlicher Punkt in der Forschung zu geschlechtergerechter Sprache ist die kognitive Verarbeitung. In einer Studie aus dem Jahr 2007 mit 86 Versuchspersonen zeigten sich keine Unterschiede in der Verarbeitung und Erinnerung von Texten mit unterschiedlichen Personenbezeichnungen. Ähnliche Ergebnisse wurden auch 2010 gefunden, als die Lesezeit für generische Maskulinformen und Binnen-I (62,6 ms pro Zeichen) verglichen wurde.
Umfragen in den letzten Jahren deuten auf eine zunehmende Akzeptanz und Verwendung geschlechtergerechter Sprache hin. 2019 gab eine Untersuchung unter 355 Studierenden keine signifikanten Unterschiede in der Textverständlichkeit zwischen generischen Maskulinformen und geschlechtergerecht überarbeiteten Versionen an. Eine weitere Umfrage im Jahr 2021 unter 2690 Personen ergab, dass 35% die Beidnennung und nur 7% Genderzeichen bevorzugten.
Die Forschung zu geschlechtergerechter Sprache zeigt, dass es keine universelle Lösung gibt und die Wahrnehmung stark von den verwendeten Begriffen abhängt. Trotz der noch begrenzten Forschung zu geschlechtergerechter Sprache bleibt die Debatte über ihren Einsatz lebendig und relevant.
Gendernormen und ihre Hinterfragung
Die kritische Betrachtung von Geschlechternormen ist unverzichtbar für ein besseres Verständnis der Dynamiken, die die Geschlechterverhältnisse prägen. Besonders in der Bildungswissenschaft zeigt sich diese Notwendigkeit deutlich. Der Band 11 des „Jahrbuch Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft,“ herausgegeben im Jahr 2015 und bestehend aus 210 Seiten, beleuchtet diese Thematik umfassend. Mit der ISBN 978-3-8474-0668-6 (Taschenbuchversion) und 978-3-8474-0854-3 (eBook-Version), bietet dieses Werk detaillierte Analysen zur Transformation gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisse und zu Bildungsdebatten, insbesondere in Bezug auf das Konzept der Sozialisation.
Ein bemerkenswerter Aspekt dieses Bandes ist die Zunahme von Krisendiagnosen in Bezug auf das Verhältnis zwischen Sozialisationsforschung und Geschlecht um die Jahrtausendwende. Sozialisationstheorien wurden durch sozialkonstruktivistische, ethnomethodologische und dekonstruktivistische Debatten herausgefordert. Maihofer (2002) thematisierte das „Tabu“, über Sozialisation in der Geschlechterforschung zu sprechen.
Besonders relevant ist die kritische Betrachtung von Geschlechternormen in Bildungskontexten und die hinterfragung traditioneller Geschlechterrollen. Die Beiträge in diesem Band analysieren vielfältige Transformationen der Geschlechterverhältnisse und zeigen einen Wandel in den theoretischen Perspektiven der Geschlechterforschung auf. Ein herausragendes Beispiel ist die Ambivalenz junger Frauen, die sowohl ‚gemeinschaftliche‘ als auch ‚agentische‘ Rollen in ihrer Lebensplanung übernehmen und damit einen komplexen Modernisierungsprozess widerspiegeln.
Empirische Studien, die im Buch erwähnt werden, beinhalten Gruppendiskussionen unter Studierenden und Jugendlichen zu Geschlechterhierarchien und Normen. Ebenso wird das Auftreten des Diskurses um den „aktiven Vater“ und seine Auswirkungen auf familiäre Rollen und Pflichten diskutiert. Analysen zu Dual-Karriere-Familien und deren transformativen Potential im Kontext akademischer Laufbahnen sind ebenfalls Teil der Untersuchungen.
Diese kritische Betrachtung von Geschlechternormen wird außerdem durch Berichte über Konferenzen zu den Schnittstellen von Bildung, Gewalt und Sexualität unterstrichen, was zeigt, dass Geschlechterfragen in verschiedenen akademischen Diskussionen breit aufgegriffen werden. In globalen Lernkontexten wird häufig festgestellt, dass die Geschlechterperspektive sowohl thematisch als auch methodisch unzureichend berücksichtigt wird.
Praktische Tipps zur Umsetzung geschlechtergerechter Sprache
Die Umsetzung geschlechtergerechter Sprache ist ein wichtiger Schritt zu mehr Gleichstellung. Hier sind einige praktische Tipps, wie Sie dies in Ihren Alltag integrieren können:
1. Verwenden Sie den Genderstern: Der Genderstern (*), wie „Student*in“, erlaubt die Einbeziehung aller Geschlechter. Er wurde 2018 zum Anglizismus des Jahres gekürt und ist eine weithin empfohlene Schreibweise. Laut einer Studie von Dr. Stefanie Koehler ist er hinsichtlich Wahrnehmbarkeit und Verständlichkeit besser geeignet als andere Genderzeichen.
2. Nutzen Sie geschlechtsneutrale Formulierungen: Wörter wie „Studierende“ anstelle von „Studenten und Studentinnen“ sind inklusiv und vermeiden Doppelnennungen. Dies ist besonders relevant, da die Doppelnennung nur zwei Geschlechter einschließt und daher nicht vollständig inklusiv ist.
3. Berücksichtigen Sie Barrierefreiheit: Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV e. V.) befürwortet den Genderstern, da er Barrierefreiheit und Geschlechtergerechtigkeit vereint. Allerdings sollten auch alternative Formulierungen geprüft werden, um Menschen mit kognitiven Einschränkungen nicht zu benachteiligen.
4. Informieren und sensibilisieren Sie sich: Das Hessische Gleichberechtigungsgesetz (HGlG) fordert seit 1992 eine sprachliche Gleichbehandlung in Rechts- und Verwaltungsvorschriften. Eine bewusste und regelmäßige Weiterbildung zu diesem Thema sorgt dafür, dass Sie stets auf dem neuesten Stand bleiben und Ihr Sprachgebrauch inklusiv bleibt.
5. Beachten Sie bestehende Regelungen und Empfehlungen: Die Stadtverwaltung Hannover hat 2019 den Genderstern eingeführt und Empfehlungen für geschlechtergerechte Verwaltungssprache veröffentlicht. Orientieren Sie sich an solchen Richtlinien, um Ihre eigenen Texte gendergerecht zu gestalten.
6. Fördern Sie Teambesprechungen zur Umsetzung: Der Alltag in Redaktionen und Medienhäusern zeigt, dass geschlechtergerechte Sprache erfolgreich integriert werden kann. Laut einer Umfrage im Sommer 2023 nutzen bereits 22 von 62 befragten Medienhäusern gendersensible Formulierungen ohne Zwang oder Verbot. Der Austausch im Team kann dazu beitragen, Missverständnisse zu klären und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.
Durch die Anwendung dieser Tipps wird es einfacher, der Leitfaden für geschlechtergerechte Kommunikation zu befolgen und eine inklusive Sprache zu fördern. Die stetige Anpassung und Reflexion des Sprachgebrauchs trägt dazu bei, eine offene und vielfältige Kommunikation zu gewährleisten.
Gendergerechte Sprache in den Medien
Die Mediennutzung geschlechtergerechter Sprache hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und wird oft als zentraler Aspekt im Kampf um Gleichstellung betrachtet. Mit der Einführung der Option „divers“ im Dezember 2018 und der Entscheidung der Universität Konstanz, Berufsbezeichnungen in Stellenausschreibungen mit Asterisk zu versehen, wird klar, dass sich der Wandel auch in offiziellen Institutionen widerspiegelt.
Medien wie Radio und Fernsehen neigen oft dazu, das generische Maskulinum zu verwenden, was zeigt, dass sich geschlechtergerechte Sprache noch nicht vollständig durchgesetzt hat. Studien, wie die von Stahlberg und Sczesny (2001), belegen jedoch, dass nicht-männliche Personen sich vom generischen Maskulinum weniger angesprochen fühlen und dass es hauptsächlich mentale Bilder von Männern hervorruft.
Durch die Steigerung der Mediennutzung geschlechtergerechter Sprache wird ein inklusiveres Umfeld geschaffen, das die Wahrnehmung und Akzeptanz von Angehörigen aller Geschlechter verbessern kann. Die Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an den wissenschaftlichen Hochschulen Baden-Württembergs hat aus diesem Grund Empfehlungen zur geschlechtergerechten Sprache herausgegeben, um deren Anwendung im akademischen Kontext zu fördern.
Besonders im Bereich der Berufsbeschreibungen zeigt die Forschung der Freien Universität Berlin, dass geschlechtsneutrale Formulierungen dazu führen, dass sich Kinder beider Geschlechter eher für bestimmte Berufe begeistern können. Dies unterstreicht die Bedeutung, die eine geschlechtergerechte Sprache für die Zukunft der Arbeitswelt und die gesellschaftliche Gleichstellung hat.
Auch in der journalistischen Praxis zeigt sich, dass geschlechtergerechte Sprache nicht schwerer verständlich ist, wie ein Workshop der Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion deutlich machte. Die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen empfiehlt daher die Verwendung des Gendersternchens, um eine möglichst breite Repräsentation in den Medien zu erzielen.
Herausforderungen und Kritik an gendersensibler Sprache
Die Implementierung gendersensibler Sprache stellt insbesondere im Alltagsgebrauch viele Menschen vor Herausforderungen. Ein wesentliches Hindernis ist die Akzeptanz in der breiten Bevölkerung. Laut einer Infratest dimap Umfrage vom Mai 2020 lehnen 56 Prozent der Deutschen das sprachliche Gendern ab, und im Mai 2021 waren es sogar 65 Prozent, die keine gegenderte Sprache wollten. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Akzeptanz gendersensibler Sprache noch immer polarisiert.
Eine der häufigsten Kritiken an gendersensibler Sprache ist die Wahrnehmung als umständlich und unnatürlich. Es gibt Diskussionen darüber, dass geschlechtergerechte Sprache das Geschlecht der bezeichneten Person stärker betont als das generische Maskulinum. Das generische Maskulinum wird von vielen nicht als neutral angesehen, sondern oft als Bezug auf männliche Personen verstanden. Studien belegen, dass grammatisch männliche Personenbezeichnungen im Sprachverständnis oft nicht neutral, sondern eher als Referenzen auf männliche Personen verstanden werden. Eine Untersuchung von rund 4000 Sprachen zeigte, dass Länder mit stark geschlechtlich markierten Sprachen eine geringere Erwerbsbeteiligung von Frauen aufweisen.
Zusätzlich wurden von der Unesco bereits 1987 Richtlinien zur Verwendung geschlechtergerechter Sprache veröffentlicht, die nicht nur das generische Maskulinum, sondern auch weitere Beispiele stereotyper Sprache umfassen. Auch die Schweizerische Bundeskanzlei hat in den 1980er Jahren einen Leitfaden zur geschlechtergerechten Sprache herausgegeben.
Ein weiteres Argument gegen die Nutzung gendersensibler Sprache ist die Vielfältigkeit und Komplexität der deutschen Grammatik. Von den 10.000 existierenden Nomen Agentis, die als von Verben abgeleitete Maskulina auftreten, bis hin zu Formen wie Lehrer*innen kommt es zur Verwendung von Gendersternen, die nicht immer intuitiv sind. Adjektive auf -lich und substantivierte Partizipien, die im Gegenwartsdeutschen nicht produktiv sind, tragen ebenfalls zur Unübersichtlichkeit bei. Der Rat für deutsche Rechtschreibung beschloss 2021 erneut, Genderzeichen wie den Genderstern nicht in die amtliche Regelung aufzunehmen, was die Debatte weiter anheizt.