Winterschool 2010
Die Winterschool "Intersektionalität als Kritik" fand vom 25. - 28. Februar 2010 an der Universität Hamburg statt.
Sie war die dritte Veranstaltung im Rahmen unserer Reihe zum Thema Intersektionalität.
Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe wollen wir studierenden / lehrenden / forschenden / praktisch-politisch engagierten Menschen Gelegenheit geben für Austausch und Diskussion über zentrale Aspekte der Thematik.
Flyer (barrierefrei, lesbar mit einem Screenreader, PDF, Stand: 30.11.2009)
Flyer (PDF, Stand: 30.11.2009)
Kontakt:
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Das Seminarangebot ...
... der Winterschool richtet sich vorrangig an Studierende verschiedener Disziplinen. Alle Seminare sind in einen u.a. webbasierten Vorbereitungsteil und einen Präsenzteil untergliedert. Im virtuellen Teil bereiten sich die Teilnehmer_innen durch Textlektüren, Blogs u.ä. auf das Seminar vor. Der Präsenzteil gliedert sich in einen Vortrags- und einen Seminarteil. Die Dozent_innen halten einführende Vorträge, an denen alle Besucher_innen der Winterschool teilnehmen sollten. In den vier folgenden, parallel laufenden Seminaren geht es um die Bearbeitung vertiefender Fragen.
Die Seminare finden im Teamteaching statt. Die Seminare werden so konzipiert, dass eine Scheinvergabe möglich ist. Diese ist an eine Prüfungsleistung gebunden, voraussichtlich in Form einer Präsentation. Über die Präsenzphase hinausgehende Prüfungsleistungen sind nicht vorgesehen. Für die Teilnahme an der Winterschool sind (inclusive der Seminarvorbereitung) 6 ECTS-Punkte vorgesehen. Bitte beachten Sie, dass Sie die Anerkennung eines Leistungsnachweise beim Prüfungsausschuss Ihres Studiengangs individuell beantragen müssen. Dabei unterstützen wir Sie gerne! Wir empfehlen in jedem Fall dringend, vor Beginn der Veranstaltung den Kontakt zum jeweiligen Prüfungsausschuss zu suchen.
Selbstverständlich stehen die Seminare aber auch Menschen offen, die keinen Schein erwerben möchten.
Die Seminare im einzelnen
Seminar I. - Diskriminierungssensible Interventionsmöglichkeiten von Diversity und Intersektionalität
In diesem Seminar werden die Ansätze von Diversity und Intersektionalität vorgestellt und diskutiert.
Diversity wird häufig gleichgesetzt mit "Diversity Management" - ein Konzept aus der Wirtschaft, das lediglich Unterschiedlichkeit in Firmen "verwaltet": Im Gegensatz dazu steht das Konzept von "Diversity und Soziale Gerechtigkeit", das aus der Antirassismusarbeit und anderen sozialen Bewegungen entstanden ist. Hier geht es darum, verschiedene Unterdrückungsmechanismen zu erkennen, zu thematisieren und vor allen Dingen gegen sie vorzugehen. Am Beispiel von Rassismus werden in diesem Seminar die Mechanismen verdeutlicht. Die konstruierte Verschiedenheit von Menschen kann sich u.a. auf unterschiedliche Kategorien wie Hautfarbe/Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung und/oder körperliche Verfasstheit beziehen. Die unterschiedlichen Differenzkategorien legitimieren gesellschaftliche Ein- und Ausschlusslogiken.
Intersektionalität betrachtet die Komplexität von Ungleichheitskategorien und ihren Materialisierungen auf der strukturellen, symbolischen und identitären Ebene. Ziel intersektionalen Denkens ist es, Herrschaftsverhältnisse, hegemoniale Diskurse, Normen und Werte sowie Subjektwerdung zu hinterfragen und Handlungserweiterungen vorzuschlagen.
Inwieweit sich die Konzepte Diversity und Intersektionalität theoretisch und praktisch verbinden lassen sowie gegenseitig ergänzen, wird die zentrale Fragestellung im Seminar sein.
Ablaufplan (PDF, Stand: 07.12.2009)
Dozent_innen: Dr. Nivedita Prasad (Berlin) / Kathrin Schrader (Hamburg)
Seminar II. - Wider/spenstige Körper
"no matter how much power/money/influence you carry, [...], my body is not for you to exam, conquer, or casually observe" (cripchick)
Rassifizierungen, Konstruktionen von Behinderung/Krankheit und Vergeschlechtlichungen sind soziale Praxen, die sich gewaltvoll in uns einschreiben. Welche theoretischen Möglichkeiten gibt es, diesen Praxen auf die Schliche zu kommen? Und wann, wo und wie können wir trotz machtvoller gesellschaftllicher Strukturen unseren eigensinnigen Erfahrungen von und mit unseren Körpern Ausdruck verleihen? Was sind die Fürs und Widers, unsere eigenen/minorisierte/n Körper in Form von auto/biographischen Erfahrungen oder kulturellen Produktionen mit in den Hörsaal zu bringen?
In diesem Workshop problematisieren wir 'Betrachtungsweisen' minorisierter Körper in unterschiedlichen Debatten, Kontexten, sozialen Bewegungen und Machtapparaten. Wir untersuchen, wie Körper als begehrenswert, wertvoll, verwertbar, schützenswert, gefährlich, umtrauerbar, oder wegsperrbar erkannt werden. Welche Verwobenheiten zwischen verschiedenen Machtdimensionen werden daraus ablesbar? Und inwiefern sind Intersektionalitätsansätze und andere Versuche, dies zu theoretisieren und politisieren, bereits fester Bestandteil derzeitiger Machtprozesse?
Neben theoretischen, politischen und autobiographischen Texten und kulturellen Produktionen von People of Colour, Queers und Kranken/Behinderten Leuten bildet die derzeitige Debatte um homophobe 'Hassgewalt' einen wichtigen Einstiegspunkt für unsere Kritik.
Dozent_innen: Christiane Hutson (Oldenburg) / Dr. Jin Haritaworn (London/Helsinki)
Seminar III. - Intersektionelle (Herrschafts-)Ordnungen: Weißsein, Privilegierung und Geschlecht in postkolonial-feministischer Wissensproduktion
Ein Paradigma kritischer Theoriebildung ist, dass die Positionen der Forschenden im akademischen Raum und innerhalb gesellschaftlicher Hierarchien nicht ausgeblendet werden. Intersektionale Forschung sollte also nicht nur die sich in einem Subjekt kreuzenden gesellschaftlichen Verhältnisse analysieren. Intersektionales Denken bedeutet darüber hinaus, beständig die Selbst- und Fremdpositionierung von Forscher_innen bzw. Wissenschaftler_innen zu reflektieren.
In diesem Seminar möchten wir diskutieren, was dies im Bezug auf Rassismus bedeuten kann. So ist die Reflexion der Privilegien "weißer" Wissenschaftler_innen wichtige Voraussetzung einer machtsensiblen Wissensproduktion vor dem Hintergrund (post-)kolonialer Geschichte und ihrer Aktualität für wissenschaftliche Erkenntnisprozesse. Zugleich wollen wir die für kritische Erkenntnisprozesse unabdingbare Frage diskutieren, wie die Vermittlung unterschiedlich situierten Wissens gelingen kann.
Dozent_innen: Prof. Dr. Maisha Maureen Eggers (Magdeburg/Stendal) / Dr. Eske Wollrad (Oldenburg)
Seminar IV. - Intersektionalität als Kritik in der empirischen Forschungspraxis
Intersektional zu forschen bedeutet, Differenzkategorien auf den Ebenen sozialer Ordnung in ihrer Gesamtlogik zu betrachten. Dabei ist es uns wichtig, besonders die Identitäts- und Ausschlusslogiken sowie die Herrschaftsverhältnisse aufzunehmen und kritisch zu befragen. Für die praktische Anwendung der intersektionalen Ansätze müssen wir jedoch wichtige Fragen klären. Welche und wie viele ungleichheitsgenerierende Kategorien sollen Berücksichtigung finden? Wie kann die kategoriale Verwobenheit theoretisch gedacht, methodisch umgesetzt und empirisch erfasst werden?
Im Seminar werden wir diese und andere Fragen im Hinblick auf die intersektionale Mehrebenenanalyse methodisch bearbeiten. Im Seminar sollen die Stärken und die Begrenzungen dieses Ansatzes herausgearbeitet werden. Dies erfolgt sowohl anhand von Textlektüren (Degeler / Winker: "Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten") als auch anhand konkreter empirischer Arbeiten der Teilnehmenden.
Um das Seminar gemeinsam mit den Teilnehmer_innen gut vorbereiten können, bitten wir alle Interessierten, sich möglichst bald anzumelden.
Dozent_innen: Prof. Dr. Nina Degele (Freiburg) / Prof. Dr. Gabriele Winker (Hamburg)
Die Dozent_innen
Nina Degele ist seit 2000 Professorin für Allgemeine Soziologie und Gender Studies am Institut für Soziologie der Universität Freiburg und seit 2002 geschäftsführende Direktorin des Instituts. Thematische Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in der Wissens- und Techniksoziologie, der Modernisierungstheorie, den Gender- und Queer Studies sowie der qualitativen Methodologie.
Maureen Maisha Eggers ist Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Kindheit und Differenz (Gender Studies) am Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften der Hochschule Magdeburg/Stendal. Sie promovierte 2005 zum Thema "Rassifizierung und kindliches Machtempfinden".
Jin Haritaworn My interest in intersectionality stems from a political engagement with anti-racist, migrant, Black and postcolonial feminisms and queer/trans of colour theories and activisms. Research projects have included doctoral work on cultural representations of Thainess and interraciality in Britain and Germany and more recently sexuality and the ‘war on terror’, and my writings can be found in places such as Darkmatter and Social Justice. Theoretically, I am thinking a lot about neoliberal citizenship, gentrification, queer necropolitics, affect and intimate publics, and transnational sexuality studies these days. A product of British universities, I have recently moved from the LSE to Finland, where I am a Helsinki Collegium for Advanced Studies Fellow.
Christiane Hutson studierte Sozialwissenschaften in Oldenburg. Ihre Arbeitsschwerpunkte: Rassismus/Rassifizierung, Gesundheit/Krankheit, Gender/Vergeschlechtlichung.
Niveditat Prasad ist wissenschaftl. Mitarbeiterin bei Ban Ying (Berlin) und arbeitet als Dozentin für verschiedene Unis zu den Themen wie Rassismus, Migration, Diskriminierung und Menschenrechte. 2008 promovierte sie zum Thema "Gewalt gegen Migrantinnen".
Kathrin Schrader Diplom-Sozialarbeiterin, Diplom-Sozialwirtin, M.A. “Gender und Arbeit”, ist seit 1989 als Sozialarbeiterin in der Psychiatrie, im autonomen Frauenhaus, im Bereich Drogen und Prostitution und als Streetworkerin tätig. Seit 2003 ist sie Vorstandsfrau von ragazza e.V. Hamburg und promoviert seit 2007 an der TUHH in der Arbeitsgruppe Arbeit – Gender – Technik. Arbeitsschwerpunkte: Gender Studies, Soziale Konstruktionen, Beschaffungsprostitution, Intersektionalität.
Gabriele Winker ist Professorin für Arbeitswissenschaft und Gender Studies an der TU-Hamburg-Harburg und Leiterin des Arbeitsbereichs Arbeit–Gender–Technik. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Internetforschung aus Genderperspektiven, Ko-Konstruktionen von Technik und Geschlecht sowie Geschlechterarrangements in flexiblen Arbeits- und Lebensformen.
Eske Wollrad ist weiße feministische ev. Theologin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Sie promovierte zu afrikanisch amerikanischer feministischer Theologie und forscht zu Rassismus, den Critical Whiteness Studies, Weißsein und Postkolonialismus. Ihr Buch mit dem Titel „Weißsein im Widerspruch. Feministische Perspektiven auf Rassismus, Kultur und Religion“ erschien im Frühjahr 2005.
Die öffentliche Diskussionsveranstaltung ...
... wendet sich an Menschen aus dem akademischen Feld ebenso wie aus außerakademischen Politik- und Berufsfeldern. Wir laden Expert_innen und Interessierte ein, gemeinsam mit den Teilnehmer_innen des Seminarprogramms in offener Runde über Reichweiten und Risiken intersektionaler Denk- und Handlungsansätze zu diskutieren.
In der Diskussion, die auf Menschen mit Bewegungs-, Hör- und Seh-Beeinträchtigungen Rücksicht nehmen wird, möchten wir die Intersektionalitätsdebatte in die aktuellen Entwicklungen einer herrschafts-, macht- und ungleichheitskritischen Forschung einordnen. Wir wollen die Reichweiten des Ansatzes ebenso diskutieren wie die Risiken, die sich aus dem Versuch ergeben, komplexe Verflechtungen und Interdependenzen machtvoller Differenzkategorien umfassend zu analysieren. Wir fragen nach der Relevanz intersektionaler Kritik in praktisch-politischen Kontexten: Welche Chance bietet intersektionales Denken für die Arbeit in NGOs und Parteien? Wo liegen Schwierigkeiten einer Übertragung intersektionaler Denkweisen auf die politische Arbeit? Wie kann der Wissenstransfer zwischen NGOs, Politik und Wissenschaft verbessert werden? In welchem Verhältnis stehen Diversity-Ansätze und Intersektionalität? Wie positionieren sich die Akteur_innen strategisch in diesem Spannungsfeld?
Das Programm im Überblick
Donnerstag, 25.2. (vormittags ESA W 221, nachmittags VMP 9)
9:45 - 10:00 Ankommen
10:00 Begrüßung, "Kommunikationsregeln", Vorstellung der Veranstalter_innen: (Gemeinsamer Kommission / Zentrum GenderWissen)
10:30 Vorträge Seminar I (Schrader / Prasad) und Diskussion
11:50 Vorträge Seminar II (Hutson / Haritaworn) und Diskussion
gegen 13:00 Mittagspause
15:00 - 18:00 Seminarphase 1
Ausklang
Freitag, 26.2. (vormittags ESA W 221, nachmittags VMP 9)
10:00 Vorstellung der Veranstalter_innen (agentec / ZeDiS), Organisatorisches
10:30 Vorträge Seminar III (Eggers/Wollrad) und Diskussion
11:50 Vorträge Seminar IV (Degele/Winker) und Diskussion
gegen 13:00 Mittagspause
15:00 - 18:00 Seminarphase 2
Samstag, 27.2. (vor- und nachmittags VMP 9, abends ESA W 221)
10:00 - 13:00 Seminarphase 3
13:00 - 15:00 Mittagspause
15:00 - 18:00 Vorbereitung der Abschlusspräsentation
19:00 - 21:00 Intersektionalität - all inclusive!? - Öffentliche Diskussionsveranstaltung
Sonntag, 28.2. (ESA W 221)
10:00 - 13:30 Abschlusspräsentationen der Seminarergebnisse
13:30 - 14:00 Abschlussrunde und Ende
Abreise
Veranstaltungsorte
Begrüßung und (öffentliche) Vorträge:
ESA West, Raum 221
(Nebengebäude des Uni-Hauptgebäudes), Edmund Siemers-Allee 1 (gegenüber Dammtor)
Seminare:
Von-Melle-Park 9 (Ex-HWP) - die Räume sind ausgeschildert.
Übernachtungen - gut und günstig
- Backpacker "Instant sleep", Max-Brauer-Allee 277, 22769 Hamburg, Tel. 040/43182310
www.instantsleep.de
- Jugendherbergen in Hamburg (im Internet über die Website des deutschen Jugendherbergsverbandes):
Jugendherberge Hamburg "Auf dem Stintfang", Alfred-Wegener-Weg 5, 20459 Hamburg
Tel. 040/313488
Jugendherberge Hamburg, Horner Rennbahn, Rennbahnstraße 100, 22111 Hamburg
Tel. 040/6511671
- Night Lodge Jugendherberge, Bundesstraße 8, 20146 Hamburg, Tel. 040/411883033
- Übernachtungshaus Schanzenstern
Schanzenstern Altona, Kl. Rainstr. 24, 22765 Hamburg, Tel. 040/39 91 91 91
www.schanzenstern-altona.de
Schanzenstern St. Pauli, Bartelsstraße 12, 20357 Hamburg, Tel. 040/4398441
www.schanzenstern.de
Bitte überweisen Sie, falls dies noch nicht geschehen ist, den Deckungsbeitrag auf folgendes Konto:
Empfängerin: Universität Hamburg
Referenznummer: 100016885
Kennwort: "Winterschool"
Kontonummer: 20101531
Bankleitzahl: 20000000 (Dt. Bundesbank)
Bitte beachten Sie, dass die Zulassung erst mit Eingang Ihrer Überweisung auf das o.g. Konto wirksam wird.
Die Veranstalterinnen:
AG Intersektionalität, Gemeinsame Kommission für Frauenstudien, Frauen- und Geschlechterforschung, Gender und Queer Studies Hamburg
www.zentrum-genderwissen.de/de/ueber-uns/gemeinsame-kommission.html
Arbeitsgruppe Arbeit - Gender - Technik (AGenTec)
www.tu-harburg.de/agentec
Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) Universität Hamburg
www.zedis.uni-hamburg.de
Zentrum GenderWissen
www.zentrum-genderwissen.de

